Woche 26 – Halbzeit, Update, Schulturnier

Hallo ihr Lieben,

kaum zu glauben, aber inzwischen ist schon mehr als die Hälfte meines Freiwilligendienstes vorbei. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Die ersten 6 Monate waren voller Höhen, weniger Tiefen und ich habe in der doch so kurzen Zeit unglaublich viel erlebt. Völlig gespannt, neugierig aber auch ahnungslos was auf mich zukommen würde, bin ich Anfang September hier in Namibia gelandet. In den ersten Wochen oder sogar Monaten war alles neu und unbekannt. Unsere Wohnung, die Schule, die Lehrer, die Schüler, der Unterricht, das Fußballtraining, Turniere an den Wochenenden, einkaufen, sich selbst zu verpflegen, waschen, ohne Mama und Papa zu wohnen, die einem sagen, was man machen darf und was nicht, Taxi und Intercape fahren, einfach alles. Es hat eine ganz schöne Weile gebraucht, bis ich mich richtig „angekommen“ gefühlt habe. Bis der Alltag wirklich zum Alltag wurde, ich wusste wer für was zuständig ist, wen man bei welchen Anliegen ansprechen muss, ich Freunde gefunden habe und bis man die richtige Balance mit den Kindern gefunden hatte. Zuerst haben natürlich die meisten ihre Grenzen ausgetestet, bis sich alles eingependelt hat. Dass der Alltag nun Routine ist, heißt nicht, dass er mich nicht mehr fordert, ganz im Gegenteil. Eigentlich falle ich jeden Abend ziemlich früh todmüde ins Bett, damit ich auf meine 9 Stunden Schlaf komme, um tagsüber einigermaßen fit zu sein. Das liegt zum einen an der Hitze (ja es ist immer noch Sommer hier….) und zum anderem daran, dass ich den ganzen Tag Programm und nie nichts zu tun habe.

Meine Woche:

Montag

08-08:40 Uhr: Late Coming Monitoring (Zuspätkommer*innen aufschreiben)

10-13:15 Uhr: Schule (Sportunterricht)

15-16:45 Uhr: Schwimmunterricht mit Schüler*innen der 4. Klasse

Dienstag

10-13:00 Uhr: Schule

16-17:30 Uhr: Fußballtraining Paulus Hamuntenya Primary School (U11, U13 und U15 Mädels)

Mittwoch

09-13:15 Uhr: Schule

14-15:30 Uhr: Schulliga (Fußball)

16-18:00 Uhr: Fußballtraining an der USCO (Gehörlosenschule, Mädels zwischen 12 und 17 Jahren, bald evtl. auch noch Training mit den Jungs)

Donnerstag

10-13:15 Uhr: Schule

16-17:00 Uhr: Fußballtraining Paulus Hamuntenya Primary School

Freitag

08-12:30 Uhr: Schule

15-16:00 Uhr: Schwimmunterricht Mädelsgruppe

16-17:00 Uhr: Schwimmunterricht Jungsgruppe

Samstag

Freundschaftsspiele, Turniere

Sonntag

Waschen, Aufräumen, Putzen, Einkaufen, Blog schreiben

Der Sportunterricht läuft ab wie immer: Vor allem die Lower Primary (Klasse 0 bis Klasse 3) ist immer total aufgeregt, wenn es PE-Time (Sportunterrichtzeit) ist. Sie kommen aus ihren Klassenzimmern gerannt, rufen PE-PE-PE-PE und umarmen uns. Dann müssen sich alle auf den Boden setzten und leise sein, damit wir sie begrüßen können. Bevor es mit dem richtigen Sportunterricht losgeht, heißt es Aufwärmen (Runden laufen & einen Aufwärmkreis mit Kräftigungs- und Dehnübungen) und dann stehen entweder neue Themen oder Noten machen auf dem Programm. Unser aktuelles Thema ist „werfen und fangen“, bei dem unsere neuen Tennisbälle super zum Einsatz kommen.

Vor ungefähr eineinhalb Monaten haben wir montags mit 8 Kindern mit den Schwimmstunden angefangen. An das „Monte Carlo Wasser“ (mal sieht man die Arme im Wasser, wenn man darin steht, mal sieht man sie nicht) haben wir uns inzwischen gewöhnt und das Schwimmen lernen klappt bei den meisten Schüler*innen echt gut. Es ist super schön zu sehen, was für Fortschritte jede*r Einzelne macht!

Seit ein paar Wochen habe ich mir zusätzlich dazu vier Jungs und vier Mädchen aus derselben Klasse ausgesucht, mit denen ich freitags Schwimmstunden mache.

Das Fußballtraining mit den Mädels von unserer Grundschule klappt ebenfalls wirklich gut. Was sehr toll ist, dass die Anzahl der Spielerinnen immer weiter gestiegen ist, und ich nun bei über 30 Fußballerinnen bin. Das ist zwar eine anspruchsvolle Herausforderung, sich für so viele Kinder Trainings auszudenken, so dass am Ende jede Einzelne gefordert wurde. Aber an sich funktioniert es meistens ganz gut. Jede hat ihren Spaß und ist in Bewegung.

Bald steht für 20 der Mädels Walvis Bay, eine Stadt an der Küste Namibias, fast 1000km von Eenhana entfernt, vor der Tür. Mehr dazu erfahrt ihr in dem übernächsten Eintrag.

Jeden Mittwoch bin ich für zwei Stunden an der USCO (Gehörlosenschule in Eenhana) und mache dort mit den Mädels ein Fußballtraining. Bald kommen wahrscheinlich noch die Jungs dazu, die ich dann danach trainieren werde. Auch dort macht mir das Training wirklich Spaß, vor allem, weil das nochmal etwas anderes ist, als ich es bisher kannte. Zwei Stunden Training, ohne zu sprechen, kommuniziert wird mit „Händen und Füßen“, öfter schreibe ich Dinge auf den Boden, und es funktioniert (fast immer) einwandfrei. Vorletzte Woche habe ich zum Beispiel mit „Brennball“ angefangen. Am Anfang hat niemand richtig verstanden, wie das Spiel funktioniert und ich war kurz davor es abzubrechen und doch andere Übungen zu machen. Doch irgendwann wusste doch jede, was ihre Aufgabe ist und es hat super funktioniert und allen Spaß gemacht. Oft sitzen wir nach dem Training etwas zusammen, wir unterhalten uns und die Jungs und Mädchen bringen mir von Mittwoch zu Mittwoch mehr und mehr Gebärden bei.

Samstags finden, wie bereits erwähnt, oft Turniere oder Freundschaftsspiele statt. So auch diesen Samstag (02.03.2019). Unsere Grundschule hat das Turnier organisiert, das heißt die anderen Schulen eingeladen, Medaillen gestellt, Essen verkauft, die Klassenzimmer als Schlafplatz für Schulen, die von außerhalb gekommen sind, zur Verfügung gestellt und alles Organisatorische geklärt. Am Samstag ging es ein Stündchen nach dem eigentlichen Start los. Es gab ein Jungs- und ein Mädchenturnier, bei dem 2 meiner Mannschaften mitgespielt haben. Die Stärkere von beiden ist erster geworden und die Schwächere hat es tatsächlich auf den dritten Platz geschafft (ich kann mir nicht erklären wie das passiert ist).

Das Turnier ist sehr gut gelaufen, hat allen Spaß gemacht und niemand hat sich ernsthaft verletzt. Das Finale war besonders lustig, da es auf einmal angefangen hat zu regnen. Nein es hat geschüttet. Der Sand- Steinplatz stand unter Wasser, der Ball ist die ganze Zeit stecken geblieben und die Mädels hat es der Reihe nach auf den Boden geschlagen, weil es so rutschig war, dass sie ausgerutscht sind. Das war echt lustig anzuschauen. Was mich sehr gefreut hat, während ich total durchgenässt am Feldrand gecoacht habe, war anzusehen wie die Teams gegenseitig miteinander umgegangen sind. Oft ist das bei den Turnieren ein richtiges Gegeneinander, jedes Team ist für sich und die Gegner sind eben Gegner. Aber bei diesem Finale, sind die Mädels ineinander gelaufen, hingefallen, haben zusammen gelacht und sich gegenseitig wieder aufgeholfen.

Sonntag, der eigentlich einzig freie Tag in der Woche ist vollgepackt mit waschen, putzen, einkaufen gehen, Blog schreiben (dazu komme nicht immer, weshalb ich das dann unter der Woche nachholen muss) und den verschiedensten anderen Dingen.

Wie ihr seht, mache ich hier nicht ein Jahr Urlaub, sondern habe während der Schulzeit eigentlich immer etwas zu tun. Und wenn ich dann abends doch noch Kraft und Lust habe, gehe ich zum Sport (das hat Anfang des Jahres stark angefangen, aber inzwischen um ehrlich zu sein stark nachgelassen), entweder ins Bootcamp oder ins Volleyballtraining. Ach ja und Freunde habe ich auch noch, mit denen ich etwas in meiner Freizeit mache. Diesen Sonntag war ich zum Beispiel bei der lieben Ndateelela zu Besuch. Abends gab es traditionellen Spinat und Pub (Aufgekochtes Maismehl, Kartoffelbrei ähnliche Konsistenz) zu essen, was mir sehr gut geschmeckt hat, auch wenn ich eigentlich nicht so sehr auf Pub stehe.

Das Zusammenleben mit Colin klappt super, wir verstehen uns echt gut, und auch, wenn wir manchmal Meinungs- oder Einstellungsverschiedenheiten haben, aber das gehört denke ich mal dazu.

In der nächsten Zeit steht sehr viel an, vorhin hatte ich kurz erwähnt, dass wir nach Walvis Bay fahren, das Wochenende darauf fahre ich zusammen mit Paloma, einer Freundin von mir, nach Katima (ca. 1000km östlich von Eenhana). Zwei Wochen danach fahren wir nach Rehoboth (Nähe Windhoek) um an einem Triathlon teilzunehmen, und dann kommt mich auch schon meine Familie besuchen, worauf ich mich schon riesig freue und was ich kaum erwarten kann. Bis dahin müssen wir alle Noten in der Schule fertig machen, die ganzen Zeiten und Daten in Noten umwandeln und mit den Klassen 4 bis 7 einen Test schreiben.

Was ich oft gefragt werde, wie es mit Heimweh ist. Ich muss ehrlich sagen, davor hatte ich mit am meisten Angst, bevor ich hier her gekommen bin, habe aber bisher noch überhaupt keine Probleme damit gehabt. Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Familie, meine Freunde und mein Zuhause nicht vermisse. Aber hier gibt immer etwas zu tun, immer etwas los, da habe ich gar nicht so viel Zeit, an zu Hause zu denken.

Ich bin ich hier wirklich sehr glücklich, spüre eine innere Zufriedenheit und denke mir oft, dass es genau die richtige Entscheidung war, nach dem Abitur ein FSJ im Ausland zu machen.

Außerdem werde ich nicht danach bewertet, was ich für eine Handtasche besitze, was für eine Note ich in der letzten Matheklausur hatte, oder was ich alles auswendig gelernt habe, sondern nach meinen Handlungen, meinen Taten und meinem Umgang mit Menschen.

Schön, wer es bis hierher geschafft hat, normalerweise sind die Blogbeiträge nicht so lange, aber ich dachte, nach der Hälfte gebe ich euch mal ein „kleines“ Update.

Bis bald ♥

Maike

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